Konzertkritik 2011

Musikschätze voller Gemeinsamkeiten

Festliches Sommernachtskonzert mit Werken aus Barock und Romantik

PETER KAUFMANN

Musikalische Perlen perfekt dargeboten: Vier Gesangssolisten, der Gesangverein Olten, die Cantica Nova Worb und das Huttwiler Kammerorchester interpretierten am Sonntagabend zwei barocke Messen und die bekannte Holberg-Suite von Edvard Grieg. Unter der Gesamtleitung von Christoph Moser gelang allen Mitwirkenden ein erfüllendes Konzert mit Musikwerken, die sich ergänzten und gleichzeitig kontrastierten.

Das Gleiche ist nicht immer dasselbe: Zweimal die gleichen liturgischen Texte in Latein, wie sie in der katholischen Messe jahrhundertelang eingesetzt wurden; zweimal Kompositionen aus der Barockzeit und doch – es waren völlig unterschiedliche Musikwerke. Es war ein spannender Vergleich. Zu entdecken waren Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätzliches, zu hören waren zwei wertvolle Musikperlen, die eher selten aufgeführt werden. Das mag wohl auch an der Kürze der beiden Messen liegen, füllen sie
doch zusammen nur gut eine Stunde aus, sodass meist ein drittes Stück den Konzertabend ergänzen muss.

Umgekehrte Reihenfolge
Der Dirigent Christoph Moser, der seit 2001 den Gesangverein Olten leitet und seit fast einem Vierteljahrhundert auch den Oratorienchor Cantica Nova Worb, stellte die spätbarocke «Missa Dolorosa» des Venezianers Antonio Caldara (1670–1736) an den Anfang des Sommernachtskonzerts in der Friedenskirche. Caldara war als Vizekapellmeister am österreichischen Hof in Wien ein Vielschreiber, sein Oeuvre umfasst über 3400 Werke. Die «Missa Dolorosa» komponierte Caldara bloss ein Jahr vor seinem Tod. Das
Spätwerk weist über die Zeit des Barocks hinaus mit beschwingten und vielfältigen Melodien, die oft beinahe schon mozartsche Qualitäten haben. Die beiden Oratorienchöre – alle gleich gekleidet und nicht unterscheidbar – tönten anfangs trotz dem energisch angegangenen «Kyrie» noch etwas verhalten. Die Männer, in der Mitte des Chors aufgestellt, vermochten gut mitzuhalten, obwohl sie zahlenmässig nur etwas mehr als einen Viertel der beiden Chöre ausmachen. Im «Credo» aber fanden dann alle Mitsingenden im Wechsel mit den vorzüglichen Solisten zu jenem Wohlklang, der dieser «Missa» gebührt. Die Sopranistin Beatrice Ruchti, die Altistin
Judith Lüpold, der Tenor Hans-Jürg Rickenbacher und Bass Erwin Hurni verfügen bereits über viel Oratorienerfahrung und überzeugten in beiden Messen durchwegs mit überlegener Gestaltung ihrer meist kurzen Partien.

Bläsergruppe ergänzte Streicher
Die ersten Klänge der «Missa Salvatoris» liessen erkennen, warum der musikalische Gesamtleiter dieses Werk als Abschluss des Abends eingesetzt hat: Fünf Bläser ergänzten die Streicher des Huttwiler Kammerorchesters und vor allem den beiden Trompeten waren besonders brillante Aufgaben ins Notenheft geschrieben worden: So wird diese «Missa» zum feierlichen Hochamt. Der Komponist Pavel Josef Vejvanovsky’ (1633–1693) war ursprünglich Feldtrompeter und gab daher auch als Kapellmeister des Fürstbischofs von Olmütz der Trompete oft einen wichtigen Platz in seinen Kompositionen. In der 1677 entstandenen «Missa Salvatoris» schrieb er auch Chorpartien voll barocker Schönheit. Die Laiensängerinnen und -sänger aus Olten und Worb wurden dem hohen Anspruch gerecht.

Hommage an Komödienschreiber
Als Verbindung zwischen beiden Barockwerken spielte das Huttwiler
Kammerorchester «Aus Holbergs Zeit» von Edvard Grieg (1843–1907). Der norwegische Komponist und Pianist hatte diese «Suite im alten Stil» – ein Hinweis auf die verwendeten barocken Tanzformen – 1884 als Hommage zum 200. Geburtstag des Komödienschreibers Ludwig Holberg geschrieben. Moser lotete die Dynamik des Stückes mit dem inspirierten Musikensemble bis
in feinste Nuancen aus und Konzertmeister Martin Kunz brillierte in kurzenSoloteilen.