Werkeinführung am kommenden Dienstag im Hübelischulhaus

Lieben Sie Brahms?

Diese Frage stellt der verliebte Philippe seiner Angebeteten Paula im Roman von Françoise Sagan, er möchte die 15 Jahre ältere zu einem Brahms-Konzert einladen. Und diese Frage stellt nun auch der Oratorienchor Olten allen, die sich vorstellen können, einmal bei der Aufführung des wohl bedeutendsten Requiems in deutscher Sprache mit dabei zu sein. Johannes Brahms hat dieses grosse Werk teilweise in der Schweiz geschrieben, 1867 gelangte es in Wien erstmals zur Aufführung und gehörte schnell zu den beliebtesten kirchlichen Chorwerken überhaupt.

Am nächsten Dienstag präsentiert Dirigent Christoph Moser allen Interessierten dieses Werk, «Ein deutsches Requiem nach Worten der Heiligen Schrift», Brahms Opus 45, in Worten und mit Tonausschnitten. Der traditionsreiche Oltner Chor wird dieses trostreiche Requiem im Rahmen seiner beliebten Sommernachtskonzerte im nächsten Juni in der Friedenskirche aufführen, einmal mehr in Zusammenarbeit mit der Worber Cantica Nova und der verstärkten Camerata 49 (ehemals Huttwiler Kammerorchester). Schon seit mehr als 200 Jahren ist der Oratorienchor Olten ein fester Begriff im Kulturleben der Stadt und der Region, und würde sich über Zuwachs sehr freuen! Dem Publikum sind die letzten Sommernachts-Aufführungen, wie u. a. das Mozart–Requiem, Dvoraks Messe in D oder Rossinis Petite Messe Solennelle noch in allerbester Erinnerung. Neue Stimmen wären sehr willkommen, - es gibt viel zu entdecken, ganz sicher aber die Liebe zu klassischen Werken, nicht nur von Brahms…

Die Werkeinführung findet am Dienstag, 24. September, 19.15 Uhr im Singsaal des Oltner Hübelischulhauses statt; im Anschluss an die Werkeinführung bietet sich bei einem offerierten Apéro Gelegenheit, mit dem Dirigenten und den Chormitgliedern unverbindlich ins Gespräch zu kommen.

Serenade in Kestenholz 31.08.2018

Sommernachts-Konzert 2017

Trotz des sommerlichen Wetters war die Friedenskirche in Olten am Sonntagabend beim Konzert des Oratorienchors bis fast auf den letzten Platz besetzt.

Zusammen mit der Cantica Nova Worb und dem Huttwiler Kammerorchester gab der Oratorienchor Olten Werke von Johann Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zum Besten. Seit fünfzehn Jahren treten der Oltner und der Worber Chor zusammen auf, ein Zusammengehen, das sich lohnt, wie sich im Verlauf des Abends zeigen sollte.

Zu Beginn galt es Abschied zu nehmen. Martin Kunz, seit einunddreissig Jahren Konzertmeister des Huttwiler Kammerorchesters, übergibt sein Amt seinem Sohn. In Zukunft wird er nur noch die zweite Geige spielen. Dies fällt ihm leicht, wie er nach dem Konzert meinte, die Aufgabe sei auch eine grosse Verantwortung gewesen.

Schön harmonierende Chöre

Zu Beginn gaben die beiden Chöre und das Orchester das Werk «Te Deum in C-Dur» von Johann Michael Haydn zum Besten. Schon hier zeigte sich, wie gut die Chöre und das Orchester harmonieren. Dirigent Christoph Moser meinte auch beim Apéro nach dem Konzert, dass man sich wie in einer Familie gefühlt habe. In diesem Stück zeigten auch die Solistinnen und Solisten ihr Können. Solotenor Christoph Metzger zeigte im «Tu Patris sempiternus es Filius» sein grosses Können.

Vor dem Höhepunkt des Konzertes spielte das Huttwiler Kammerorchester das Divertimento in B-Dur KV 137 von Wolfgang Amadeus Mozart. Für Roland Giger, ehemaliger Turnlehrer an der Kanti, war dieses Stück der Höhepunkt des Abends. «Haydn ist gut und recht, aber ich bin ein Mozartfan», outete er sich. Das Divertimento ist ein heiteres Stück, das perfekt zu diesem warmen Sommerabend passte. Man fühlte sich in einem Park. Der ruhig beginnende erste Satz wurde abgelöst von einen spannungsgehaltenen zweiten. Beendet wurde das Werk vom finalen Satz, der schier zum Tanzen einlud.

Ganz kurz gab es Unstimmigkeiten

Nach Mozart stellten sich die beiden Chöre, das Orchester und die Solistinnen und Solisten einer nicht ganz einfachen Aufgabe. Es galt die Grosse Marienzeller Messe von Franz Joseph Haydn vorzutragen. Aber trotz einiger Unsicherheiten bewältigten alle diese Aufgabe mit Bravour. Im sehr langen «Kyrie» zeigte sich bereits die Harmonie der verschiedenen Stimmen. Im Gloria zeigte die Sopranistin Rebekka Mäder ihr Können. Ihr glockenklares «Laudamus te» sorgte für Gänsehaut. Aber auch die Altsolistin Alexandra Busch überzeugte. Zusammen mit Bassist Tobias Wicki harmonierten Busch und Mäder beim «Domiende Deus – Domine Fili – Domine Deus» als würden sie seit Jahren zusammen singen.

Haydn hat den Chören eine wirklich schwierige Aufgabe gestellt. So sind beim «Sanctus» insbesondere die Bässe gefordert, müssen sie doch mit sehr hohen Tönen einsteigen, die eigentlich von Tenören gefordert sind. Dort, aber wirklich nur dort, waren denn auch ganz kurz Unstimmigkeiten zu hören. Aber diese taten dem sonntäglichen Hörgenuss keinen Abbruch.

Auch Oltens Parlamentspräsident Matthias Borner war begeistert. «Kultur auf solch hohem Niveau, das ist bemerkenswert für Olten.» Und er wies gleich noch darauf hin, dass der Oratorienchor wie die Feuerwehr Olten im gleichen Jahr gegründet wurden, im Jahr 1812 nämlich.